Dem Architekt Max Meckel diente der gotischen Marienaltar von Tilmann Riemenschneider (um 1506 in der Herrgottskirche in Creglingen) als Vorlage. Der Entwurf von Max Meckel wurde durch die Bildhauerei Dettlinger in Freiburg geschaffen und durch die Malerei von Franz Schilling in ein prachtvolles Teilkunstwerk innerhalb der Innenausstattung des Münsters als Gesamtkunstwerk hineingearbeitet und legt Zeugnis ab für die damalige Volksfrömmigkeit und Marienverehrung
Es ist eine gelungene Umsetzung des gotischen Vorbildes in die Neugotik. Die leichte, zarte und anmutige Schnitzarbeit braucht sich vor seinen Vorbildern in der Gotik nicht zu verstecken. Die „luftige" Schnitzerei nimmt kunstvoll das Anliegen der Gotik auf, uns in die himmlische Sphäre mit hinein zunehmen.
Während der Creglinger Marienaltar in silberschimmerndem Holz natürlich belassen wurde, erstrahlt der Neustädter Marienaltar hauptsächlich in den Farbtönen blau (Farbe des Himmels, der Luft, Symbol der Wahrheit, des Glaubens und der Treue), rot (Farbe des Blutes, der Liebe und der Macht Gottes), gold (die Farbe verkörpert die Allmacht Gottes, sie symbolisiert das ewige Licht Gottes, die Ewigkeit und die Unsterblichkeit) und weiß (die Farbe steht für das göttliche Licht, die Reinheit und die Unschuld).
Riemenschneider hat den Altaraufsatz als Reliquienschrein konzipiert. Die Form erinnert an eine Monstranz für die wundertätige Hostie. Meckel hat für den Marienaltar die äußere filigrane emporstrebende Form beibehalten. Der Marienaltar in Creglingen war als würdige Fassung für das heiligste Sakrament der Eucharistie konzipiert worden und hat dabei als Hauptthema das Marienleben, das in der Himmelfahrt und Krönung Mariens seine Erfüllung findet. Den Abschluß des Altarwerkes bildet Christus, der Schmerzensmann, der auf seine Wundmale deutet. Beim Riemenschneideraltar ist also Christus sowohl architektonisch als auch thematisch Fundament (die wundertätige Hostie) und Spitze (Schmerzensmann an der Spitze des Gesprenges) des Altars. Das Leben Mariens, mit der Betrachtung der einzelnen Wegstationen, nimmt uns mit auf einen Weg hin zu Christus. Max Meckel übernimmt die einzelnen Stationen des Vorbilds, aber gibt seine eigenen Gedanken mit hinein. Er verändert einzelne Gesichtsausdrücke der einzelnen Personen und gibt dem Mittelbild einen anderen Aufbau. Der Schrein in der Pedrella des Creglinger Vorbildes ist nicht im Marienaltar integriert worden, ihn entdecken wir in dem von ihm entworfenem Josefsaltar wieder.