Ruf nach einer Kirche
 
Da keine Gottesdienstmöglichkeiten in Titisee bestanden, suchte man nach einer "Übergangslösung" und kam auf die Bärenkapelle unmittelbar neben dem ehemaligen, im Jahr 1935 abgebrannten, Bärenhof.

Im Sommer 1897 wurde erstmals einem Pfarrer aus Gießen erlaubt, in dieser Privatkapelle Messen zu zelebrieren und auch die "Beicht" zu hören. 
1907 erhielt auch der Pfarrer von Saig die sogenannte Binationsvollmacht, d. h. er durfte zweimal täglich in der Bärenkapelle die heilige Messe feiern.

        
1912 wurde dann ein regelmäßiger Sonntagsgottesdienst in der Bärenkapelle eingeführt. Als finanzieller Grundstock für eine neue Kirche "am See" wurde schon 1903 ein Kapellenfond gegründet. Überwiegend durch Spendengelder sammelte sich bis zur Inflation 1923 ein Betrag von über 45.000 Mark an, der allerdings infolge Geldentwertung auf 12.000 Mark zusammen- schrumpfte. Somit war ein baldiger Kirchenneubau vereitelt. Die Gottesdienste in diesen Jahren wurden überwiegend von Seelsorgern aus Neustadt gefeiert. Diese Gottesdienste wurden besucht von Gläubigen vom "See" sowie der näheren Umgebung und selbstverständlich auch schon von Gästen. Die Bärenkapelle erwies sich jedoch schon bald als zu klein, weshalb an Sonntagen auch im Hinblick auf die stark zunehmende Gästezahl bereits zwei Gottesdienste bewilligt wurden. Das Drängen aller am Kirchenneubau Interessierten wurde ab 1926 immer heftiger, sodass sich die Kirchenbaufrage nicht mehr länger aufschieben ließ. Es sei "allerhöchste Zeit", besagt eine Kirchenakte. Bedenkt man den Heraufzug der Ns-Zeit und die damit verbundene Verknappung fast aller Baumaterialien, die der totalen Aufrüstung der Wehrmacht dienten, lässt sich diese Aussage gut nachvoll- ziehen. Nach ausgiebigen Verhandlungen mit dem Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg sowie mit benachbarten Pfarreien, die schließlich Gebiete zu Gunsten einer eigenen Kirchengemeinde Titisee abtreten mussten, setzte sich die Vernunft durch, und es kam zu einer Einigung. Besonders die Geschäftswelt von Neustadt wehrte sich lange gegen das Einvernehmen, da bei Festlichkeiten wie Hochzeiten, Taufen etc. die Leute vom See und den Tälern ihr Geld dort liegen ließen, und gerade hierauf wollte man nicht verzichten. Die Gebietsabtretungen von Hinterzarten mit der Bruderhalde entlang des Titisees bis einschließlich Bankenhof und der Gemarkung Saig vom Titiseehotel bis zum Seehäusle wurden als sinnvoll erachtet, da große Entfernungen zu ihren bisherigen Pfarrkirchen bestanden.

 

Clemens Disch