Kirchensanierung 1998/99

 
Durch die Bereitschaft und den Einsatz vieler fleißiger Helfer, konnte 1998/99 eine grundlegende Sanierung der Kirche erfolgen. Mit einbezogen war eine Neugestaltung des Chorraumes, die wir nachstehend aus der Sicht des Künstlers erläutern:
 

Neugestaltung des Chorraums

Ende 1998 wurde ich vom Pfarrgemeinderat sowie vom Erzbischöflichen Bauamt in Freiburg gebeten, Vorschläge für die Umgestaltung des Chorraumes in der Christkönigskirche zu entwickeln. Das Gotteshaus war mir gut bekannt, denn bei alljährlichen Wanderungen über die Westwegroute fand ich einige Jahre zuvor immer wieder Möglichkeiten zur Einkehr. Schon bei diesen Besuchen fiel mir das ungelöste, provisorische Erscheinungsbild der liturgischen Orte auf.

Die Gestaltung eines Altars und eines Ambos sind aus künstlerischer Sicht eine sehr spezielle Aufgabe. Anders wie bei einem sogenannten "autonomen Kunstwerk" bei dem der Künstler unabhängig von thematischen und formalen Vorgaben wirken kann, spielt hier die Bindung an Inhalt und Funktion eine entscheidende Rolle. Nicht nur die Verdichtung religiös liturgischer Inhalte in Form, sondern eine Bezugsbildung zum vorhandenen Kirchenraum stellen gewichtige Kriterien zu einer aussagekräftigen Formfindung dar.

In der Entwicklung und Suche nach Formen entstanden zuerst Modelle im Maßstab 1 :10. Schon in diesen Entwurfsformaten, die auch dem Pfarrgemeinderat zur Begutachtung vorgelegt wurden, war das gestalterische Konzept festgelegt. Der Altar besteht aus mehreren gegliederten Einzelteilen, die sich konstruktiv zu einem Ganzen zusammenfügen. In den Fußboden eingesetzt, bildet die Bodenplatte eine feste und unverrückbare Verbindung zum Kirchenraum. Sie entwickelt sich über eine Hohlkehle zu einem fast würfelförmigen Stipes, der mit seiner Vierteilung die Form der Apostelsäulen im Kirchenschiff aufnimmt. Die gliedernden Fugen führen zu einem vertikal liegend eingefügtem Kreuz, auf dem schließlich die konisch ausgeweitete Mensaplatte ruht. Das Kreuz als "eindeutiges Christuszeichen" ist somit das einzig vorhandene Symbol am Altar, auch zu verstehen als ein Zeichen zur Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers.

So entscheidend sich die bildhauerische Aufgabe in der Verdichtung von religiös-liturgischen Inhalten in plastische Form offenbarte, sowenig durfte auch außer Acht gelassen werden, in welchem Verhältnis die neuen Objekte zum bereits vorhandenen ikonographischen Umfeld stehen. Tragender Gedanke war es, eine klar erkennbare Gliederung zwischen liturgischem Raum und der der Andacht dienenden Bilddarstellungen des Hochaltars zu schaffen. Hierin ist ein Grund zu sehen, warum Altar und Ambo nicht mit weiteren figürlichen Darstellungen versehen wurden.

Der Duktus der Formensprache des Altares wurde in der gesamten, neu gestaltetenChorraumausstattung fortgesetzt. Nacheinander folgten nun die Fertigstellung von Osterleuchter, Taufstein und Marienstele. Die wesentlichen Gestaltungsmerkmale wie geometrische Grundformen - Quadrat, Rechteck und Kreisvertikale - und horizontale Fugen in verschiedenen Intensitäten sowie Gliederungen durch konstruktives Zusammenfügen von Einzelteilen, kamen bei allen neuen Objekten zum Tragen.

Als Material wurde schließlich Burgpreppacher Sandstein ausgewählt. Damit wird die Farbwirkung des Fußbodens aus Kalkstein wiederholt, und lediglich mit den Bearbeitungsspuren des Materials ein feiner Kontrast zu den geschliffenen Bodenplatten geschaffen.

Im Herbst vergangenen Jahres fand mit der Altarweihe in der Christkönigskirche die umfangreiche Renovierung des Innenraumes einen festlichen Abschluss. Bei dieser Feier kam die tief greifende Bedeutung der neuen liturgischen Orte zum Ausdruck. Der Zelebrationsaltar ist der Ort, auf den sich die gemeinschaftliche Gotteserfahrung, vor allem bei der eucharistischen Feier, konzentriert. Entsprechend dem Altar als "Tisch des Herrn", um den sich die christliche Gemeinschaft zum Abendmahl versammelt, nimmt der Ambo seine Bedeutung als "Tisch des Wortes" zur Verkündigung des Wortes Gottes ein.

 

Bildhauer Wolfgang Eckert,

Furtwangen-Neukirch