Münster St. Jakobus - Baugeschichte

 

Jakobi und die Münsterbaugeschichte

Jakobi erklärt die Geschichte des Münsterbaus (nicht nur) für Kinder
 
 
 
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Die nachstehenden Erläuterungen zur Baugeschichte des Münsters und seiner Architektur wurden den beiden Kirchenführern entnommen, die Sie, bei Interesse am Schriftenstand käuflich erwerben können.

 

Im Jahre 1891 wurde die Kirchenfrage in Neustadt so drängend, dass sich Pfarrer August Fauler an das Ordinariat in Freiburg mit der Bitte um Prüfung des Bauanliegens wandte. Seitens der kirchlichen Oberbe­hörde wurde eine Kirche mit 1500 Plätzen für angemessen erachtet, und man beauf­tragte das zuständige Erzbischöfliche Bau­amt in Freiburg, die Machbarkeit einer Er­weiterung der bestehenden Kirche und die Möglichkeit eines Neubaus in der gefor­derten Größe zu untersuchen. Bauinspek­tor Karl Hörth, damals kommissarischer Leiter, plädierte nach Beschäftigung mit den örtlichen Gegebenheiten Anfang 1892 für Abriss und Neubau. Als nach dem plötzlichen Tod von Hörth im Mai 1902 auf Initiative von Erzbischof Roos der Frank­furter Architekt Max Meckel zum neuen Vorstand des Bauamts berufen wurde, war die Planung für den Kirchenneubau in Neustadt die wichtigste und drängendste Aufgabe, die ihn in diesem Amt erwartete. Bis November legte er seinen Entwurf mit zwei Grundrissvarianten vor: eine größere mit 2.900 Plätzen, davon 1.220 Sitzplätze, zu 300.000 Mark und eine kleinere mit 2.296 Plätzen, davon 1.086 Sitzplätze, zu rund 250.000 Mark. Da nach Auffassung von Meckel im Erzbischöflichen Bauamt Freiburg damals kein in der gotischen For­mensprache versierter Architekt zur Verfü­gung stand, ließ der Baumeister die Skiz­zen in seinem Frankfurter Privatbüro an­fertigen. Sein Mitarbeiter am Entwurf für Neustadt war Heinrich Renard, der berühmteste Schüler Meckels und spätere Diözesanbaumeister von Köln. Ordinariat und Stiftungsrat entschieden sich auf­grund der stark wachsenden Gemeinde für den größeren Grundriss. Die finanzielle Grundlage für den Kirchenneubau  bildeten einerseits zahlreiche große Spenden, wie die  von Theresia Blessing, Konrad Winterhalder und Wilhelm Ketterer, zum anderen die Entschädigungsgelder der Kommunen für die Ablösung der Baupflicht, die von nun an der Katholischen Kirchengemeinde oblag.

Im Jahre 1894 kam der junge Pfarrer Hermann Rinkenburger nach Neustadt, der mit Tatkraft und Ausdauer den Bau der neuen Kirche vorantrieb. Nach Abriss der alten Kirche und einiger umliegender Häu­ser konnte 1897 mit den Bauarbeiten be­gonnen werden. Zeitweise waren mehr als 100 Menschen an der Baustelle beschäftigt, von denen die meisten italienische Gastarbeiter waren. Die weitere Planung und Leitung des Baus lag beim Erzbischöf­lichen Bauamt Freiburg und seinem Vor­stand, Baudirektor Max Meckel, während die örtliche Bauführung dem Neustädter Johann Happle übertragen wurde.

Am 5. Juni 1898 konnte Dekan Metz den Grundstein legen, und schon am 6. Dezem­ber 1900 fand der erste Gottesdienst in der neuen Kirche statt. Der Ausbau der oberen Turmstockwerke erfolgte bis 30. Juli 1901, als - von einer feierlichen Zeremonie be­gleitet - die Kreuzblume auf den Turmhelm aufgesetzt wurde. Die weitere Ausgestal­tung und künstlerische Ausstattung des riesigen Kirchenraums zog sich noch über Jahre hin, denn sie musste zum wesentli­chen Teil aus Spendengeldern finanziert werden. Nach und nach konnten die Sei­tenaltäre, die Kanzel und die  künstlerische  Verglasung eingebaut werden. Als im Jahre 1907 die Kirche von Weihbischof Justus Knecht feierlich geweiht wurde, fehlten noch immer die Orgel und der Hochaltar. Max Meckel, der die Arbeiten zur Ausge­staltung des feierlichen Raums nach seiner Entlassung  aus dem Bauämterdienst ab 1901 gemeinsam mit seinem Sohn Carl Anton in seinem privaten Büro weiterführte, starb am Weihnachtstag 1910. Die Aufstel­lung der aus der Überlinger Orgelwerkstät­te Wilhelm Schwarz stammenden Orgel konnte er noch erleben, nicht aber die Fer­tigstellung des von ihm entworfenen Hochaltars im Jahre 1911. Wirklich vollendet wurde der imponie­rende Bau erst nach  einigen Jahren der Un­terbrechung durch den Ersten Weltkrieg auf Initiative von Pfarrer Hermann Rinkenburger. Unter der Leitung von Carl Anton Meckel erfolgte 1919 und 1920 die Aus­malung von Hochschiff und Chor. 

Für uns heute beeindruckend ist die große Ausdau­er und Zähigkeit der Beteiligten bei der Realisation dieses bedeutenden Kirchen­baus. Pfarrer Rinkenburger als eigentlicher Bauherr war über 25 Jahre mit seinem Kir­chenbau befasst, Max Meckel und sein Sohn Carl Anton als Architekten zu­sammen fast 30 Jahre lang. Und auch der Kunstmaler Franz Schilling und der Bild­hauer Josef Dettlinger arbeiteten über mehrere Jahrzehnte an der künstlerischen Ausstattung des Neustädter Münsters.
 

 

 

Juli 1891 Auftrag an das Erzbischöfli­che Bauamt Freiburg zur Prüfung der Erweiterbarkeit der alten Kirche unter Pfarrer August Fauler

Februar 1892 Befürwortung von Abriss und Neubau durch das Erzbischöfli­che Bauamt

November 1892 Vorlage zweier Vorentwürfe zum Kirchenneubau durch Max Meckel, seit Mai 1892 Vorstand des Erzbischöflichen Bauamts in Freiburg

1895 Genehmigung des Ordinariats für den größeren Entwurf mit 1220 Sitz­plätzen, Auftrag für die weitere Pla­nung an das Erzbischöfliche Bauamt

1896 Abbruch zweier Häuser zur Vergrößerung des Bauplatzes Ausführungsgenehmigung des Erzbi­schöflichen Ordinariats unter Zurückstellung der oberen Turmstockwerke

März 1897 Vergabe der Bauarbeiten 

September 1897 Abbruch der alten Kirche und Baubeginn, Bauführer Johann Happle, Neustadt, Einrichtung einer Notkirche im alten Schulhaus.

5. Juni 1898 Grundsteinlegung durch Dekan Metz

6. Dezember 1900 Einzug in die neue Kirche, erster Gottesdienst

30. Juli 1901 Fertigstellung des Turmausbaus mit feierlicher Schlusssteinsetzung

1902 Sechs neue Glocken der Glo­ckengießerei Grüninger, Villingen, Turmuhr

1903 Aufstellung des Marienaltars von Josef Dettlinger nach Entwurf von Max Meckel und des Antoniusaltars (Josef Dettlinger, Heinrich Nüttgens)

1904 Fertigstellung der Außenanla­gen

1905 Aufstellung des Josefsaltars, Entwurf Max Meckel, Ausführung der Bildhauerarbeiten durch Josef Dett­linger, Malerei Schilling, Freiburg. Kreuzigungsgruppe am Triumphbogen nach Entwurf von Max Meckel, Ausführung Dettlinger/Schilling

1906 Figuren Kreuztragender Hei­land und Pieta (Dettlinger/Schilling)                       

1907 Kunstverglasungen der Werkstätte Helmle&Merzweiler, Freiburg:
Chorfenster: Kreuzigung, Berufung des Petrus und Tod des Jakobus d. Ä..
Seitenschiffverglasungen: die sieben geistigen und sieben weltlichen Wer­ke der Barmherzigkeit 
Erstellung der Kanzel durch die Neustädter Stein­metzfirma Franz Dachtler nach Ent­wurf Meckels

6. Juni 1907 Feierliche Weihe durch Weih­bischof Justus Knecht

 

1910 Kreuzweg von Kunstmaler A. Göbel, Freiburg (nicht mehr vorhanden) 

4. September 1910 Weihe der neuen Orgel von Wilhelm Schwarz mit 30 Registern, Orgelgehäuse nach Entwurf von Max Meckel, Bildhauerarbeiten Josef Dett­linger.

25. Dezember 1910 Tod des Architekten Max Meckel

1911 Aufstellung des Hochaltares nach Entwurf von Max Meckel, Bildhauerarbeiten Josef Dettlinger, Bilder der Altarflügel von A. Göbel, Freiburg, sonstige Farbfassung und dekorative Bemalung von Schilling 

1917 Herz-Jesu-Statue von Josef Dettlinger, farbig gefasst von Franz Schilling

1919/20 Ausmalung unter der Lei­tung von Carl Anton Meckel durch Kunstmaler Franz Schilling, Freiburg

1929 Gedächtnistafel für die Gefalle­nen des Ersten Weltkriegs, Entwurf Carl Anton Meckel, Ausführung Ge­brüder Marmon, Sigmaringen

1940 Schutzmantelmadonna, Gebrü­der Marmon, Sigmaringen

1942 Kriegsbedingte Abgabe der Glocken

1949 Sieben neue Glocken der Glo­ckengießerei Albert Junker, Brilon

1956 Turmsanierung

1957 Mosaik mit der Darstellung des hl. Jakobus im Tympanon des Haupt­portals von Hans Baumhauer

1963/64 Außen- und Dachsanierung  Einbau einer neuen Heizung

1965/66 Innenrenovation, Überstrei­chen der Ausmalung

1967 Neuer Kreuzweg von Bildhauer Steidle aus Schwenningen/Heuberg in Würzburger Marmor

1986 Das Neustädter Münster wird unter Denkmalschutz gestellt

7. Mai 1995 Weihe der neuen Orgel von Orgelbau Jann, Laberweinting, unter Pfarrer Rudolf Ullrich

2004/06 Sanierung von Turm und Heizung

2007/08 Innenrenovation mit Freile­gung der Malereien, Wiederanbrin­gung der Triumphkreuzgruppe und li­turgische Neugestaltung durch den Künstler Rolf Bodenseh unter der Oberleitung des Erzbischöflichen Bauamts Freiburg (Anton Bauhofer, TheoHirschbihl)

7. Dezember 2008  Feierliche Altarweihe durch Erzbischof Robert Zollitsch

2009 Restaurierung der Seitenaltäre mit Freilegung der ursprünglichen Farbigkeit